Wenn man in Deutschland Kinder hat, die in einem Fußballverein spielen, ist man es gewohnt, seine Wochenenden irgendwo in der näheren Umgebung am Spielfeldrand stehend zu verbringen. Auch dass man regelmäßig mit dem Auto voller SpielerInnen in umliegende Stadtviertel oder Orte in der näheren Umgebung fährt, um dort mindestens eine Stunde vor Spielbeginn einzutreffen und auf den Anpfiff zu warten, gehört dazu – zumindest bis die Kinder selbst Autofahren können. Ab dann geht man eigentlich nur noch zu Heimspielen, denn bei Auswärtsfahrten ist dann für Eltern kein Platz mehr im Auto vorgesehen.
Diesen Sonntag ist es hier in den USA für uns ganz ähnlich, wir begleiten Piet und sein Team zum Auswärtsspiel gegen die Mannschaft vom Onondaga College nach Syracuse, NY. Die Entfernungen sind hier jedoch von einer ganz anderen Größenordnung. Für die gut 180 Kilometer bis Syracuse fahren wir fast zweieinhalb Stunden. Die Colleges in Piets Liga liegen weit verstreut im Raum zwischen Buffalo und Albany, einem Gebiet das in etwa dem Wirkungskreis der deutschen Regionalliga West entspricht.
Der Tag ist also geprägt vom Betrachten der Landschaft aus dem Auto heraus. Piet fährt mit uns, im Mannschaftsbus hätte er noch einige Stunden früher los gemusst, da das Frauen-Team vorher ebenfalls gegen Onondaga spielt und alle im gleichen Bus reisen.
Als wir ankommen, stellen wir fest, dass am dortigen College alles noch eine Nummer größer ist. Die Sportanlage würde in Deutschland auch so manchem Drittligisten alle Ehre machen. Wir setzen Piet ab, schauen noch einige Minuten den Frauen zu. Bis zum Anpfiff von Piets Spiel sind es noch fast zwei Stunden.
Wir kommen also auf die Idee, uns in der Nähe eine Sports Bar zu suchen, um vielleicht ein Quarter des Football-Spiels der Buffalo Bills zu sehen, die gerade auswärts gegen die New Orleans Saints spielen (wo wir gerade von Entfernungen sprechen). Aufgrund der schlechten Handy-Verbindung hier in Syracuse haben wir leichte Schwierigkeiten, eine geeignete Bar zu finden und landen schließlich in einer kleinen, wenig einladenden Bar namens „Burdick‘s Tavern“.

Die Gäste dort sind schon mindestens leicht angetrunken, für so ein kleines Etablissement geht es recht laut zu. Bei meiner sich aufdrängenden Frage nach Kartenzahlung werde ich auf den Geldautomaten verwiesen, der dort in der Ecke steht. Cash only! Wir heben also ein paar Bucks ab (bisher haben wir noch nicht einziges Mal Bargeld in der Hand gehabt), trinken ein Bier und schauen uns zwanzig Minuten das Spiel an. Danach ist es ohnehin Zeit, zurück zum College zu Piets Spiel zu fahren.

Kurze Zeit später sitzen wir also auf der Tribüne und sehen einem Spiel zu, in dem unser Sohn mal wieder nicht zum Einsatz kommt. Für Torhüter gibt es nunmal nur einen Platz in der Aufstellung, und Piet hat diese Saison einen schweren Stand, scheinbar hat der Torwarttrainer ein persönliches Problem mit ihm. Es gibt keine Kritik oder Hinweise auf den Grund, er wird nur einfach nicht aufgestellt. Selbst der Chefcoach versteht es wohl nicht, überlässt die Auswahl des Torwarts aber immer dem Torwarttrainer.
Piet ist entsprechend frustriert, konzentriert sich nun aber eben auf seine akademischen Aufgaben. Hintergrund ist, dass Piet aktuell nur ein zweijähriges College besucht. Nach dem Wintersemester endet sein dortiges Studium im Fach „Sport Management“ mit dem Abschluss „Associate in Liberal Arts and Sciences“. In Deutschland gibt es keine Abschlüsse nach zwei Jahren, also müsste er noch zwei weitere Jahre an einem anderen College weiter studieren, um einen Bachelor-Abschluss zu erlangen. Dafür bräuchte er aber ein Stipendium, und das bekommt man entweder über sportliche oder akademische Leistungen. Es ist also für ihn mehr als ärgerlich, dass er sich nicht auf dem Platz zeigen kann. Warten wir also ab, was das nächste Jahr für ihn (und damit natürlich auch uns) so bringt.
Nach dem Spiel fahren wir wieder gut zwei Stunden zurück nach Batavia, holen uns Pizza und sind alle recht müde von der Fahrerei. Ach ja, das Spiel endete übrigens 0:0…
Schreibe einen Kommentar